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Beitrag vom 03.09.2016

Internationale Jugendbegegnung 2016 in Schleswig

In der Zeit vom 27.08. bis zum 02.09.2016 fand in Schleswig der Besuch von vierzehn sehbehinderten und blinden Jugendlichen und sechs Betreuerinnen der Schule für Sehgeschädigte in Tartu, Estland statt.In der Zeit vom 27.08. bis zum 02.09.2016 fand in Schleswig der Besuch von vierzehn sehbehinderten und blinden Jugendlichen und sechs Betreuerinnen der Schule für Sehgeschädigte in Tartu, Estland statt. Die estnischen Gäste trafen im Kurshaus des LFS mit fünfzehn sehgeschädigten deutschen Jugendlichen zusammen. Die Begegnung stand unter dem Thema „Zukunftsentwürfe für ein Leben in Verschiedenheit“.

An den Vormittagen fanden immer zuerst für beide Gruppen entsprechende Sprachkurse statt.
Danach arbeiteten die Jugendlichen in jeweils „ländergemischten“ Gruppen gemeinsam in Workshops. Jede/r Jugendliche konnte aus den drei angebotenen Workshops zu den Bereichen Kunst, Musik und Neue Medien einen auswählen. In diesen Workshops beschäftigten sich die Jugendlichen mit unterschiedlichen Aspekten des Themenschwerpunkts und konnten diese auch erleben:
Im Workshop „Künstlerisches Gestalten“ konnten die Jugendlichen die Materialien Beton und Leinen erkunden, damit experimentieren und anschließend ihren Wünschen an die Zukunft mit diesen Materialien eine Form geben und diese mit einer wetterfesten Beschichtung haltbar machen.
Im Musikworkshop waren Jugendliche mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten zusammen und konnten erleben, wie jede/r durch das Einbringen seiner Fähigkeit einen Beitrag leistete zum guten Gelingen eines gemeinsamen musikalischen Produkts und dabei alle gemeinsam Spaß hatten. Bei den musikalischen Aktivitäten erlebten die Jugendlichen auch, dass Kommunikation auch ohne eine gemeinsame Sprache möglich sein kann (z. B. beim gemeinsamen Improvisieren und Spielen mit Instrumenten, beim Gestalten eines Popsongs mit Unsinn-Silben und beim gemeinsamen Tanzen).
Im Workshop „Neue Medien“ lernten die Jugendlichen die digitale Bearbeitung von Audiodateien kennen und die Möglichkeit des kreativen Arbeitens damit, z. B. durch Verfremdung oder das Erstellen von Klangbildern.
Bei der Präsentation am Abschlussabend wurden die Ergebnisse aus den Workshops und auch aus dem Sprachunterricht vorgestellt und jeweils mit viel Beifall gewürdigt.

Auch bei den einzelnen Freizeitaktivitäten, Führungen und Exkursionen, für die die Nachmittage reserviert waren, ging es immer wieder um unterschiedliche Facetten des Begriffs „Verschiedenheit“:
Bei der thematischen Stadtführung „Die Hexe soll brennen“ z. B. bekamen die Jugendlichen einen Einblick in den Umgang der Gesellschaft im Mittelalter mit Frauen, die als Hexen abgestempelt wurden und konnten Bezüge zur heutigen Zeit herstellen (z.B. zum Thema „Mobbing“).
Ein weitere Erfahrung, die für viele bewegend war, waren die verschiedenen Aktivitäten im Bibelzentrum zu einer respektvollen Koexistenz verschiedener Religionen (Christentum, Judentum, Islam) und die Fahrt mit dem Bibelschiff.
Außerdem war das sich Ausprobieren können im Bogenschießen trotz Sehschädigung bei den Wikingerhäusern in Haithabu für alle eine sehr spannende Erfahrung.
Außerdem standen auch noch ein Besuch des Multimar Wattforums in Tönning und ein Bummel am Strand von St. Peter-Ording auf dem Programm. Passenderweise zeigte sich an dem Tag das Wetter von seiner besten Seite.

Die Begegnung wurde von allen Beteiligten als sehr erfolgreich und bereichernd erlebt.
Sehr schnell fanden die Jugendlichen diesmal über ihre kulturellen Verschiedenheiten hinweg im gemeinsamen Tun und bei den Freizeitaktivitäten zusammen und entwickelten ein gemeinsames Gruppengefühl und viel Offenheit füreinander. Die Jugendlichen selbst haben rückgemeldet, dass sie darüber überrascht waren, es als sehr positiv und entspannend erlebten und als für sich wichtigste Erfahrung aus dieser Austauschbegegnung mitnehmen. Für die Zeit nach dem Austausch ist daraus eine Facebook-Gruppe entstanden.
Auch der Austausch von Erfahrungen, als Menschen mit Behinderung in den jeweiligen Ländern zu leben, war für die Jugendlichen hilfreich und beeindruckend und regte sie zum Nachdenken und zu neuen Sichtweisen über ihre Situation an.
Neben dem Kennenlernen der estnischen und der deutschen Sprache konnten die Jugendlichen im Beisammensein und bei gemeinsamen Aktivitäten vor allem Englisch als wichtige Kommunikationssprache erleben. Für alle estnischen Jugendlichen außer einer war es außerdem die erste Flugreise und der erste Besuch in einem anderen Land.

Eine Fortführung der internationalen Jugendbegegnung in ähnlicher Art und Weise wie bisher in den kommenden Jahren ist geplant.



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