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Ein kleiner Ausflug an die Schlei, auf die Schlei und in das Leben von Lena Dreeßen

Der Anlass, Lena ein paar Fragen zu stellen und diese für euch auf der Homepage zu veröffentlichen, ergab sich aus einer besonderen Auszeichnung: Lena Dreeßen wurde mit dem Herzog-Peter-Preis der Stiftung Louisenlund für ihr außergewöhnliches Engagement und ihre Hilfsbereitschaft geehrt.

Die Laudatio würdigte unter anderem ihre Mitwirkung an Projekten wie der wissenschaftlichen Erforschung von Munitionsrückständen in der Schlei, der Untersuchung von Schadstoffen durch Wracks in der Ostsee, dem Minze-Anbau im Aquaponiksystem sowie ihr Engagement im Segelsport – von der Organisation bis hin zum Juniorenbundesliga-Team.

Beim Lesen dieser Würdigung war ich beeindruckt von dem, was Lena alles anpackt. Umso
spannender fand ich die Frage, wie sie selbst ihre Sehbeeinträchtigung im Alltag und in der
Schule erlebt — und was sie anderen mit auf den Weg geben möchte.
Kurzer Austausch zu verschiedenen Fragen an Lena durch ihre Beratungslehrkraft am
Landesförderzentrum Sehen.

Liebe Lena, in Bezug auf die wirklich beeindruckende Darstellung deiner Persönlichkeit
durch die Lehrkräfte der Stiftung Louisenlund bin ich einfach neugierig, wie du dabei mit
deiner Sehbeeinträchtigung umgehst, was dir vielleicht schwerfällt und was du anderen an
dieser Stelle mitgeben möchtest.

Seit wann weißt du von deinen Sehproblemen und wann hast du sie für dich bewusst
wahrgenommen?

Meinen Nystagmus habe ich von Geburt an. Für mich gibt es dieses bewusste Wahrnehmen
daher nicht wirklich, weil ich es nie anders kennengelernt habe und keinen direkten
Vergleich dazu habe, wie andere sehen. Wahrscheinlich wurde es mir erst später bewusster,
zum Beispiel als Themen wie der Führerschein aufkamen.

Wie drückt sich der Nystagmus bei dir aus? Was fällt dir schwer?

Der Nystagmus zeigt sich bei mir durch ein unkontrolliertes Augenzittern, das mal stärker
und mal schwächer ist. Besonders schwer fällt es mir, Dinge in größerer Entfernung zu
erkennen. Im Alltag helfe ich mir dann oft mit meinem Handy weiter und vergrößere Inhalte.
Auch das Gleichgewicht kann manchmal eine Herausforderung sein. Vieles wird aber
leichter, wenn man Routine entwickelt, Dinge öfter macht und eigene Wege findet, damit
umzugehen.

Wie gehst du damit im Alltag um?

Da habe ich grundsätzlich keine großen Probleme. Gerade dadurch, dass die Welt immer
digitaler wird, kann ich vieles einfach mit meinem Handy vergrößern. Insgesamt führe ich
einen ganz normalen Alltag.

Wie gehst du damit in der Schule um?

Ich nutze seit geraumer Zeit überwiegend das iPad zur Vergrößerung. Außerdem habe ich
einen Nachteilsausgleich, der mir zum Beispiel in Klausuren mehr Zeit gibt. Die Klausuren
werden für mich auch größer gedruckt. Mit diesen Hilfsmitteln komme ich im Schulalltag
sehr gut zurecht.

Sprechen dich manchmal Menschen auf deinen Nystagmus an? Wie reagierst du darauf?

Früher hat mich kaum jemand darauf angesprochen. Mittlerweile kommt das ab und zu vor,
besonders bei jüngeren Kindern. Mich stört das nicht wirklich, weil es einfach ein Teil meines
Lebens ist. Ich beantworte Fragen dazu meistens offen und spreche darüber wie über jedes
andere Thema auch.

Hattest du bereits negative Erfahrungen aufgrund deines Sehens?

Nein, ehrlicherweise nicht. Ich hatte in meiner schulischen Laufbahn viel Glück und immer sehr zugewandte und engagierte Lehrkräfte sowie meist freundliche Mitschülerinnen und Mitschüler.

An welcher Stelle war die U&B durch das LFS hilfreich?

Generell war es beruhigend – besonders für meine Eltern, aber später auch für mich – dass es Fachkräfte gibt, die sich mit den schulischen Anforderungen auskennen und Ideen, Möglichkeiten und Fachwissen mitbringen. Es ist bis heute sehr entlastend, bei Materialanpassungen, Nachteilsausgleich, Klausuren und Alltagsfragen auf dieses Wissen zurückgreifen zu können.

An welcher Stelle ist die Unterstützung und Beratung auch mal hinderlich oder nervig für dich?

Das war und ist sie eigentlich nicht. Ich fand es eher immer beruhigend zu wissen, dass es Menschen mit Fachwissen gibt, die mich unterstützen können, wenn ich es brauche – auch wenn ich vieles lange Zeit gar nicht aktiv genutzt habe.

Hast du Kurse besucht?

Nein, die habe ich tatsächlich nicht in Anspruch genommen.

Warum nicht?

Ich habe mich einfach nicht so sehbeeinträchtigt gefühlt, wie andere es vielleicht sind.
Außerdem war ich sehr schüchtern. Neue Orte und Menschen sind mir eher fremd, und ich
bevorzuge die Nähe zu Menschen, die ich gut kenne.

Wie bewertest du es allgemein und für dich persönlich, dass es in Schleswig-Holstein keine spezielle Schule für Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf Sehen gibt?

Für mich persönlich wäre eine spezielle Schule nicht infrage gekommen. Ich glaube, dass meine Möglichkeiten an einer Regelschule oder Privatschule deutlich größer und vielfältiger waren. Gerade in Louisenlund konnte ich mich in viele Richtungen entfalten, besonders im MINT-Bereich. Gleichzeitig verstehe ich aber, dass es für Menschen mit stärkerer Sehbeeinträchtigung sinnvoll sein kann, besondere Lernorte oder Schutzräume zu haben. Deshalb ist es gut, wenn es unterschiedliche Möglichkeiten gibt.

Was ist dein Lebensmotto?!

Wird schon! Und nimm alles mit, was du kannst!

Was würdest du anderen jungen Menschen raten?
Tu einfach so, als wäre da nichts – beziehungsweise nimm es an und mach es zu einem Teil von dir. Lass dich nicht davon bremsen und überrasche lieber andere damit, was alles möglich ist.

 

Das Interview führte Frau Wülfing-Lausen aus dem Team Berufsbildung des LFS mit Lena Dreeßen im März 2026.



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