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moinmoin.de vom 03.02.2016

Von hier an blind

„Das Projekt unter dem Titel „Von hier an blind“ wird vom Jugendzentrum Schleswig und dem Landesförderzentrum Sehen begleitet.“Schleswig (ckb) – „Das Getränk füllt man am besten ein, indem man einen Finger ins Glas hält“, erklärt Sandra Martensen, „so spürt man, wenn es voll ist.“ Ein sehr guter Tipp – vor allem dann, wenn man eine Augenbinde trägt und zum ersten mal in seinem Leben versucht, blind zu frühstücken, ein Brötchen aufzuschneiden, es zu belegen und sich dazu ein Glas Wasser einzuschütten ist eine vergleichsweise einfache Übungen. Dennoch vermittelt sie sehr eindrucksvoll, was es bedeutet ohne Augenlicht auskommen zu müssen – und genau das ist der Plan: „Wir haben einen etwas anderen Bildungsauftrag“, schmunzelt Sandra Martensen, Leiterin des Schleswiger Jugendzentrums, „und wir möchten erreichen, dass sich die Schüler mit dieser Behinderung auseinandersetzten.“ In den kommenden zwei Wochen haben insgesamt 18 Klassen die Gelegenheit dazu, ihren Blick auf Sehbehinderungen zu schärfen. Für eineinhalb Stunden können sie erfahren, was Blindheit oder eine starke Beeinträchtigung des Sehens im Alltag bedeuten.
Das Projekt unter dem Titel „Von hier an blind“ wird vom Jugendzentrum Schleswig und dem Landesförderzentrum Sehen begleitet. Mithilfe von Augenbinden und Brillen werden verschiedene Sehbehinderungen simulieren. So ausgerüstet, gehen die Schüler an unterschiedliche Stationen, an denen sie Dinge des täglichen Lebens erledigen sollen, wie zum Beispiel einen Satz von der Tafel abschreiben, einen Kreis ausschneiden, die Fingernägel lackieren oder einen Nagel einschlagen – natürlich immer mit einer Brille oder Augenbinde.
Was sich vielleicht einfach anhören mag, ist eine enorme Herausforderung und bring so manchen Schüler an seine Grenzen. „Deshalb ist auch immer jemand von uns dabei. So ein Selbstversuch kann sehr belastend sein und wir möchten ja niemanden abschrecken, sondern vermittelt, wie es sich anfühlt, eine Sehbehinderung zu haben“, betont Sandra Martensen. Gemeinsam mit ihren Kollegen Charlene Johannes, Thorben Hansen und Farid Ahmadzai hat sie vor Projektstart alle Stationen selbst ausprobiert.
Das Projekt soll sensibilisieren. Dafür, wie es ist, blind zu sein oder sehr schlecht sehen zu können. Dafür, wo es im Alltag Barrieren und Berührungsängste gibt und wie man helfen kann, diese Barrieren zu durchbrechen – viele davon befinden sich nämlich in den Köpfen derjenigen, die sehen können.

Vorsicht Finger: Kelvin Hornung absolviert im Jugendzentrum seinen Bundesfreiwilligendienst. Einen Nagel einzuschlagen, wenn man fast blind ist, war nicht einfach.
Hat das Experiment gewagt: Jana Totzke, Sachgebietsleiterin für Sport, Jugend und Soziales bei der Stadt Schleswig versucht mit einer Brille, die ihr Sehen stark beeinträchtigt einen Kreis auszuschneiden.

Fotos: Kleimann-Balke
Moin-Moin Nr 5, 03.02.2016



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